Seit dreißig Jahren ist Sandra Gomes Pinto in Prozessen verschiedenster juristischer Bereiche tätig, die beide Länder betreffen. „Wir haben ein breites Angebot an Rechtsdienstleistungen für Privatkunden und Firmen. Der gemeinsame Nenner ist hier die deutsche Sprache“, erklärt die portugiesische Rechtsanwältin Sandra Gomes Pinto. Anlässlich des juristischen Forums zu den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Portugal stellt sie im Interview die diesbezüglichen Rechtsdienstleistungen ihrer Kanzlei vor.

Welches war Ihr größter Erfolg und wie beeinflusste er Ihre berufliche Laufbahn? 

Im Bereich Arbeitsrecht gewann unsere Kanzlei SGP einen Rechtsstreit für einen Klienten, der dadurch eine Rekord-Abfindung erhielt. Wir waren äußerst zufrieden mit diesem Prozessergebnis, vor allem auch, weil wir von Anfang an an unseren Sieg geglaubt haben. In dem Fall ging es darum, dass unser Klient infolge seiner Entlassung gezwungen war auszuwandern, da er in Portugal keine Arbeit fand. In der Endphase des Verfahrens setzten wir alle Hebel in Bewegung und nutzten verschiedene Wege, sodass wir schließlich gewannen. Mit Sicherheit waren hier unsere Erfahrung und unser persönlicher Einsatz mitentscheidend. Und das hatte auch sehr positive Auswirkungen auf das Leben unseres Klienten. Das ist sicher unser bekanntester Gerichtsprozess. Doch es gibt viele, viele weitere, in denen wir einen guten Ausgang für unsere Klienten erreicht haben mit sehr positiven Folgen für sie als Privatleute oder ihre Unternehmen.
Nach diesem besonderen Fall erhielten wir vermehrt Anfragen von Führungskräften, die uns bezüglich des Arbeitsrechts konsultierten. Zudem fühlten wir uns bestärkt, dass es sich lohnt, sich hart für das Recht einzusetzen, auch wenn am Anfang die Dinge wenig aussichtsreich erscheinen mögen.

Welche Erfahrung haben Sie in Gerichtsverfahren, die die deutsch-portugiesischen Beziehungen betreffen?

Unsere Tätigkeit in der SGP funktioniert zum Teil wie ein German Desk, und das schon seit rund 30 Jahren. Wir haben zahlreiche Prozesse geführt, wo deutsche, österreichische und schweizerische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger beteiligt waren sowie die jeweiligen Rechte, also beispielsweise das deutsche und das portugiesische Recht. Wir haben auch namhafte Institutionen in Bau- und Energieprojekten sowie Investitionen in Immobilien begleitet. Überdies bieten wir Privatleuten und Unternehmen verschiedenste Rechtsdienstleistungen, deren gemeinsamer Nenner die deutsche Sprache ist. Mit einigen Kanzleien in Deutschland arbeiten wir über zwanzig Jahre zusammen, was die Arbeit sehr erleichtert. In letzter Zeit hatten wir einige Prozesse deutscher Klienten, in denen das deutsche Recht Anwendung fand, aber die portugiesischen Gerichte zuständig waren. Diese Kombinationen werden aller Voraussicht nach innerhalb der Europäischen Union zunehmen.
Ich erinnere mich an einen noch recht frischen Fall, bei dem eine deutsche Firma eine hoch entwickelte Anlage an eine Firma in Aveiro/ Portugal verkauft hatte. Die deutsche Firma wollte einen Prozess gegen die portugiesische anstrengen, weil diese die Maschine nicht vollständig bezahlt hatte mit der Begründung, dass sie nicht hundertprozentig arbeite. In diesem wie auch in weiteren Fällen waren unsere Landes- und Sprachkenntnisse – wir kennen die Regeln, das System, die deutsche Sprache und Mentalität – entscheidende Faktoren, die uns halfen, die Fälle zu lösen und einen Rechtsstreit abzuwenden. Die Geschichten, wie unsere deutschen und österreichischen Kunden nach Portugal kamen – häufig Investitionen in Immobilien oder Start-ups –, würden dem portugiesischen Tourismusverband sicher eine hervorragende Grundlage für lustige Werbespots bieten.
Wir werden in letzter Zeit zunehmend von portugiesischen Unternehmen kontaktiert, die den rechtlichen Rahmen verschiedener Themen in Deutschland wissen möchten. In den letzten drei Jahren habe ich an der renommierten Universität Heidelberg, die viele Nobelpreisträger hervorbrachte und in Deutschland zu den besten Hochschulen zählt, Gastvorlesungen gehalten.

Welche Zielgruppe hat die SGP?

Unsere Kerngebiete sind komplexe Gerichtsprozesse in den Bereichen Baurecht, Energierecht und Immobilienrecht. Dabei sehen wir unsere besondere Berufung in der Führung von Prozessen, die internationale Rechtssysteme betreffen, vor allem die des deutschen Sprachraums. Was Unternehmen angeht, heben wir auch die Möglichkeiten der alternativen Konfliktlösung hervor, wie zum Beispiel die Schiedsgerichtsbarkeit und die Mediation, die in einigen Fällen eine Ersparnis von Tausenden von Euro bedeuten können.

Welches sind die bekanntesten Prozesse, an denen Sie mitgewirkt haben?

In den neunziger Jahren hatte ich die Gelegenheit und das Glück, eine deutsche Firma vertreten zu dürfen, die dem deutschen Konsortium vorstand, das für die Erweiterung der Lissabonner Tejo-Brücke, der Brücke des 25. April, verantwortlich war. Als ich schon einige Jahre als Rechtsanwältin tätig war, begleitete ich den Modernisierungsprozess der Deutschen Schule Lissabon, ein von der deutschen Regierung teilfinanziertes Projekt. In beiden Fällen fiel die Wahl auf unsere Kanzlei aufgrund unserer Deutschkenntnisse, unserer breiten Erfahrung im Baubereich und unserer internationalen Erfahrung.

Können auch portugiesische Unternehmen, die auf den deutschen Markt wollen, von Ihren bilateralen Beziehungen profitieren? 

Hier kann die SGP zunächst das Rechtssystem und die im konkreten Fall zu berücksichtigenden rechtlichen Auflagen angeben und erläutern. Darüber hinaus können wir aber auch Brücken zu deutschen Geschäftspartnern bauen.

Welche Stärken und Dienstleistungen bietet SGP Unternehmen und Privatkunden im Ambitus der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Portugal?

Die SGP hat ein junges und dynamisches Team, zu dem aber auch sehr erfahrene Juristen gehören. Das erlaubt uns, schnelle Antworten zu erarbeiten, die auf die individuellen Bedürfnisse einer jeden Firma eingehen. Unsere Stärken liegen im Arbeitsrecht, in der Prozessführung, im Bau-, Energie- und Immobilienrecht sowie darin, alternative Konfliktlösungsverfahren zu suchen. Schließlich möchte ich noch unsere Fähigkeit hervorheben, Fragen, die mit Deutschland zu tun haben, zu klären. Kürzlich kontaktierte uns eine kleine Firma wegen einer Abfindung aufgrund eines Vertrages, für den deutsches Recht galt. Die Klientin wollte nur einen Rat einholen und merkte sofort an, dass die Firma keine Mittel habe, vor ein deutsches Gericht zu ziehen. Relativ schnell und mit Unterstützung von Kollegen, mit denen wir in Deutschland zusammenarbeiten, konnten wir das in diesem Fall anzuwendende Rechtssystem exakt in Erfahrung bringen. In wenigen Monaten erreichten wir eine Einigung und unsere Klientin erhielt die ihr zustehende Abfindung.
Die SGP ist eine Kanzlei mit Erfahrungen in vielen Bereichen, vom Arbeitsrecht über öffentliche Bauprojekte bis zum Unternehmensrecht. Sie erstritt für einen Klienten eine der höchsten Abfindungen, die ein portugiesisches Gericht einem Arbeitnehmer jemals zusprach.

Sandra Gomes Pinto
Rechtsanwältin und Leiterin der Kanzlei SGP